Steuerfachkraft: Hier passiert die Ultra-Moderne

Lange galt eine Karriere in einer Steuerkanzlei als so solide wie öde. Aber in den letzten Jahren hat sich kaum ein Berufsbild so gewandelt wie das der Steuerfachkraft. Routine war gestern: Gefragt sind lernwillige, kollegiale Menschen mit Spaß an Management-Aufgaben. Wer sich bewährt, übernimmt schnell Verantwortung und genießt alle Freiheiten der modernen Arbeitswelt.

Der Steuerberater sei ein aussterbender Beruf, so hieß es vor zwei Jahren, als Oxford-Professoren über 700 Berufsbilder analysierten und der Hälfte aller Arbeitsplätze das Aus durch Automatisierung und Digitalisierung voraussagten. Ganz vorne auf der roten Liste: klassische Büroarbeiten, allen voran Sekretariat und Buchhaltung. Finanzberater, Makler und Steuerberater könnten weitgehend von Software ersetzt werden, so hieß es.

Das Gegenteil ist der Fall, vor allem in der Steuerbranche. Kanzleien jagen sich Fachleute ab, auf Homepages werden aus Angst vor Headhuntern keine Ansprechpartner genannt, die Gehälter steigen mit der Qualifikation zügig an. Heute sind Steuerfachleute, vom Assistenten bis zum geprüften Steuerberater, kostbar und rar. Händeringend sucht man Verstärkung.

Fähiger Nachwuchs, anspruchsvolle Aufgaben

Derzeit rückt die Generation Y ins Arbeitsleben: fähige, gut ausgebildete Menschen, die gerne arbeiten, aber auch beizeiten leben wollen. Die Dinge hinterfragen und Ansprüche an Führungskräfte stellen. Früher hangelten sie sich durch Praktika, heute gibt es freie Plätze, denn die Baby-Boomer gehen in Rente. Wer eine Karriere im Steuerwesen startet, ist besonders gut dran: Er kann sich seinen Arbeitgeber praktisch aussuchen.

Trotzdem ist richtig, was in Oxford festgestellt wurde: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Was automatisch ablaufen kann, das läuft auch automatisch ab. Abheften, stempeln, sortieren, Archive pflegen – wäre das immer noch ein Job in den Kanzleien, wären viele Mitarbeiter überflüssig. Stattdessen brummt das Geschäft, zumindest dort, wo man sich auf neue Herausforderungen eingestellt hat.

Wie kann das sein? Sehen wir uns einen Arbeitstag in einer modernen Steuerkanzlei an:

  • 7 Uhr

    Stefanie Christ beginnt ihren Tag. Einen frischen Cappuccino in der Hand, checkt sie Mails: Mandant Schmitz will eine Wohnung kaufen und braucht sofort seine Einkommensteuererklärung für die Bank. Christ gleicht die Daten elektronisch mit denen vom Finanzamt ab und entdeckt dabei Erträge aus einem Bausparvertrag. Ein Anruf ergibt: die Abweichungen sind korrekt. Im Gespräch fällt Schmitz eine Parkettausbesserung im letzten Jahr ein. Weil der Lohnanteil steuerlich berücksichtigt werden kann, wird er die Rechnung noch schnell zusenden.

  • 9 Uhr

    Annica Meschede, Steuerfachwirtin und junge Mutter, arbeitet heute zu Hause. Sie setzt sich an den Rechner, der nur für Arbeiten für die Kanzlei verwendet wird. Meschede nutzt die sichere Datenleitung nach Nürnberg, wo die Server der Kanzlei stehen. Über verschlüsselte Datenabfrage greift sie auf die Cloud zu. Dort liegen alle Mandantenbelege: Rechnungen, Kontoauszüge, Kassenbücher. 

  • 10 Uhr

    Steuerassistentin Caroline Peters hat derzeit eine 30-Stunden-Woche und entscheidet selbst, an welchen Tagen sie wie lange arbeitet. Sie nimmt sich den Steuerbescheid des Mandanten Dr. Müller zur Prüfung vor und gleicht die Daten der Steuererklärung mit den Daten des Bescheides elektronisch ab.

  • 11 Uhr

    Sachbearbeiter Jost Steiner greift zum Hörer: Mandantin Moschner hat Fragen zur Umsatzsteuer bei kurzfristiger Vermietung von Wohnungen. Steiner ruft Lex-Inform auf, eine täglich aktualisierte Datenbank mit Urteilen, Kommentaren und Fachbeiträgen zu steuerlichen Themen. Bald sind alle Beiträge beisammen, ein passendes Urteil ist gefunden. Frau Moschner ist hochzufrieden. Mit einem so schnellen Rückruf hat sie nicht gerechnet.

    Steiner denkt zurück: „Wie war das vorher? Erst mal hab ich mir den Loseblatt-Kommentar geschnappt. War er nicht in der Bibliothek, hieß es in den Büros suchen. Rückte ihn ein Kollege heraus, fragte ich mich: Hatte der Azubi alle Ergänzungen einsortiert? Selbst dann blieb das Risiko, dass zwischenzeitlich neue Urteile ergangen waren. Also sah ich noch Fachzeitschriften durch. Erst dann fühlte ich mich sicher.“

  • 14 Uhr

    Steuerberater Ralf Voß führt Überweisungen durch. Vorbei die Zeiten, in denen das per PIN/TAN im Online-Banking geschah. Nicht einmal die Handy-TAN ist heute sicher genug. Der Datenschutzbeauftragte warnt vor Phishing, das sogar gefakte Bankseiten einsetzt. Seit das Chip-TAN-Verfahren eingeführt wurde, steckt Voß die EC-Karte in ein kleines Gerät, auf das die Bank die TAN schickt. Kriminelle bräuchten Karte und Gerät zugleich, um zu betrügen.

  • 16 Uhr

    Steuerfachwirtin Beate Palmer bereitet sich auf das morgige Teamfrühstück vor. Einmal im Monat treffen sich alle Kollegen in entspannter Atmosphäre zum fachlichen Austausch und zur Diskussion über Probleme und Verbesserungen im Arbeitsablauf. Weil Palmer auf einem Fachseminar war, erstellt sie einen Kurzvortrag zu ihrem Thema und scannt das Skript ein, damit es allen im Intranet zur Verfügung steht.

  • 18 Uhr

    Die Kanzleiführung und Steuerfachwirt Lars Duda führen per Telefonkonferenz eine Bilanzbesprechung mit einem Coaching-Unternehmen durch. Die Gesellschafter sitzen in Köln, L. A. und São Paulo; in Kalifornien ist es 9 Uhr morgens. Die Unterlagen mit vorläufiger Bilanz, Präsentation, Buchführung und Kostenrechnung kommen passwortgeschützt per Mail. Fragen zur Gewinnverteilung sind bald geklärt. Morgen macht Duda den Abschluss fertig.

Wir sehen, dass Steuerberatung in Zeiten der Digitalisierung nicht überflüssig, sondern anspruchsvoller wird. Stumpfe Routine entfällt, der Sachwalter wird zum Manager. Heute kümmern sich Steuerkanzleien ganz anders um geschäftliche Dinge ihrer Mandanten: Sie sind Ansprechpartner für strategische Fragen, die Computer nie beantworten werden. Sie sind im Controlling gefragt und begleiten unternehmerische Entscheidungen ihrer Mandanten beratend. Für jeden eingesparten Aktendeckel tut sich eine interessantere Tätigkeit auf. So gesehen haben wir es der Digitalisierung zu verdanken, dass in den Steuerkanzleien immer mehr ultramoderne Jobs für die Zukunft warten.

Die Autoren

Dipl.-Fw. Rudolf Arens, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, und Simone Becker, Steuerberaterin, führen die Steuerkanzlei arens+becker mit Sitz in Köln

Was Kanzleien Nachwuchskräften bieten

  • Lebensqualität am Arbeitsplatz
  • Balance zwischen Arbeit und Freizeit
  • Flexible Arbeits- und Auszeiten
  • Angenehmes Betriebsklima
  • Karriereplanung
  • Berufliche und persönliche Weiterbildung
  • Gute technische Ausstattung
  • Flexibler Einsatzort, Homeoffice
  • Spielräume und Verantwortung

Was guter Datenschutz berücksichtigt

  • Datenschutzbeauftragter
  • Papier, Hardware und Räume schützen
  • Internetkriminalität (Hacking, Phishing, Erpressung, Sabotage)
  • Intelligente Rechteverwaltung
  • Schutz vor unbefugtem Zugriff im Netz
  • Kontrolle bei Datenweitergabe und Fernwartung
  • Verschwiegenheitsregeln
  • Aktenvernichtung durch zertifizierte Unternehmen

Wie Steuerfachleute heute arbeiten

  • Wenig konventionelle Arbeit
  • Digitaler Datentransfer, E-Bilanz
  • Zusammenführung von Daten
  • Online-Abfragen bei Behörden
  • Datenbanken und Online-Rechner
  • Cloud-Lösungen, dezentraler Zugriff
  • Einsatz von mobilen Geräten
  • Papierloses Büro

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